Die Ausbeute kann sich sehen lassen

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Der Slalom reihte sich nahtlos ein in die durch die Bank spannenden Entscheidungen von Beaver Creek, das sich nach 1989 und 1999 erneut als perfekter Austragungsort erwies. Zumindest daheim auf der Couch und zur besten Sendezeit bekam man den Eindruck.

Bis auf den Super G der Herren in der ersten Woche fand alles plangemäß und großteils bei traumhaften Bedingungen statt. Allein die Speed-Bewerbe und schließlich das Finale im Herren-Slalom waren ein bisschen vom Wetter beeinträchtigt. Ansonsten präsentierte sich die Skistation in Colorado in ihrer ganzen Pracht.

Natürlich werde ich jetzt oft gefragt, wer für mich die herausragenden Helden dieser Weltmeisterschaft sind. Bei den Damen sind das ganz klar Anna Fenninger und Tina Maze mit ihren jeweils zwei Goldenen. Bei den Herren war Marcel Hirscher mit Gold in der Kombi und im Teambewerb sowie Silber im Riesenslalom der erfolgreichste Akteur. Im Super G und im Riesenslalom haben sich mit Reichelt und Ligety die Favoriten durchgesetzt. Und natürlich im Teambewerb. Sonst brachte die WM, wenn man ehrlich ist, einige Überraschungen.

Schließlich kann sich die österreichische Ausbeute sehen lassen. Die traditionellen Erwartungen wurden wieder einmal übertroffen. Somit kann man diese Veranstaltung durchaus zufrieden abhaken und sich auf das spannende Weltcup-Finale konzentrieren. In diesem Sinne wünsche ich noch viele schöne Skitage.

Pfiat euch!

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Ein Gemetzel und doch das erwartete Podest

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Ein weiterer echter Höhepunkt bei dieser WM. Der Riesenslalom hat gehalten, was ich mir von ihm versprochen habe. Ein wirklich spektakuläres, spannendes Rennen. Wegen der knappen Abstände nach dem ersten Durchgang, wodurch sich der Kreis der Sieganwärter kurzfristig erweitert hatte, entwickelte sich im Finale ein herrliches Gemetzel.

Hut ab vor Ted Ligety. Wegen dem großen Druck, der Tatsache, dass es zuletzt nicht nach Wunsch gelaufen war für ihn und der Last des Heimvorteils, habe ich ihn gar nicht so sehr favorisiert. Aber es ist eben sein Berg, sein Hang, sein Schnee. Da passte am Ende wieder einmal alles zusammen. Er hat – nach eher verhaltenem Beginn – genau zum Saisonhöhepunkt wieder zu seiner grandiosen Riesenslalom-Form gefunden und einen Traumlauf fabriziert.

Letztlich war das Podest in dieser Besetzung zu erwarten. Da standen mit Ligety, Hirscher und Pinturault die momentan drei besten Riesenslalomfahrer. Eines muss man natürlich auch dazu sagen: Es waren überhaupt nicht die Verhältnisse, die Marcel bevorzugt. So gesehen kann man ihn zu dieser Silbernen nur beglückwünschen. Und hoffen, dass die Temperaturen bis zum Slalom am Sonntag nicht weiter steigen.

Den vorletzten Akt bestreiten heute erst einmal die Damen: Und da habe ich jetzt auch Mikaela Shiffrin wieder ganz oben auf der Rechnung. Der ebenso ersehnte wie überfällige WM-Titel für die Amerikaner könnte befreiend wirken und für sie Gold wert sein.

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An Marcel führt heute kein Weg vorbei

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Heute also der Riesenslalom. Und der Favorit heißt natürlich Marcel Hirscher. Ich gehe davon aus, dass er seine dritte Goldmedaille holt. Und natürlich, nach Kombination und Teambewerb, auf dem Weg zu einem neuen Medaillenrekord ist. Schließlich kann ihm auch beim Slalom, in seiner Spezialität, am Sonntag kaum einer das Wasser reichen.

Als stärksten Konkurrenten schätze ich heute Ted Ligety ein. Der Lokalmatador hat hier ja schon das Weltcup-Rennen im Dezember gewonnen. Der Hang, für den Riesenslalom bestens geeignet, scheint ihm also zu taugen, ebenso die Verhältnisse. Allerdings kam er im bisherigen Verlauf der WM noch nicht in Schwung wie gewohnt und musste sich als Titelverteidiger in Super G und Kombination geschlagen geben. Jetzt steht er vor heimischem Publikum schon etwas unter Druck.

Ansonsten ist das Rennen um die Ehrenplätze offen. Felix Neureuther steigt noch recht unverbraucht in die Titelkämpfe ein. Bei seinem deutschen Kollegen Fritz Dopfer hingegen ist die Frage, wie er die Rückenbeschwerden verkraftet. Im Vollbesitz seiner Kräfte ist auch er jederzeit für einen der vorderen Ränge gut. Ich bin jedenfalls davon überzeugt, dass wir auch heute wieder ein sehr spannendes Rennen erleben werden. So wie bei den Damen.

Das war eines der spektakulärsten Damen-Rennen der WM-Geschichte! Was da gezeigt wurde, hat mir schon sehr gut gefallen. Herzliche Gratulation an die verdienten Medaillengewinnerinnen, allen voran natürlich Anna Fenninger mit ihrer zweiten Goldmedaille bei der diesjährigen WM, sowie Viktoria Rebensburg und Jessica Lindell-Vikarby!

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Tempo vor Linie und Entschlossenheit

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Was soll man zu dieser WM-Abfahrt groß sagen? Außer, dass sich eines wieder einmal gezeigt hat: Der Super G ist das viel größere Spektakel. Ganz einfach – nach dem Rennen im Dezember und zwei Trainings kann sich jeder auf die Abfahrt einstellen. Oder auch nicht. Den Super G hingegen kann man immer wieder neu ausschmücken. Deswegen ist er so unberechenbar.

Von denen, die ich für die Abfahrt auf der Rechnung hatte, hat sich gestern nur Beat Feuz durchgesetzt. Er ist herausgestochen. Er hätte sich Gold verdient, hat letztlich immerhin gezeigt, was auch bei deutlich schlechteren Sichtbedingungen möglich war, und mit großer Entschlossenheit Bronze geholt. Dabei ist er in der Netzkurve nach 30 Fahrsekunden sogar schon am Hosenboden gesessen. Da war es fast schon gelaufen für ihn.

Der Riesenunterschied zu den ersten Zwei: Patrick Küng, der neue Weltmeister, hat ebenso wie Travis Ganong, der Hausherr auf dem zweiten Platz, die guten Verhältnisse perfekt genützt. Großartig, wie der Schweizer die Ski laufen gelassen und vor allem die ganze Geschwindigkeit von der zweiten Zwischenzeit übers Flachstück bis ins Ziel mitgenommen hat. Ganong schließlich überzeugte mit einer wirklich blitzsauberen Fahrt.

Und heute geht es mit der Kombi weiter. Wieder von ganz oben…

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Der Super G ist und bleibt die spektakulärste Disziplin!

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Dieses Rennen hat mich begeistert! Und wieder einmal hat man gesehen: Das ist extrem spannend, die spektakulärste Disziplin, bei der die beste Mischung aus Taktik, Instinkt und Können gefragt ist. Und bei der es auch um Gedeih und Verderb geht, gleich zum WM-Auftakt.

Hannes Reichelt hat wieder eine solide, saubere Fahrt ausgepackt. Er hat keinen Meter hergeschenkt, überall den Schwung mitgenommen. Das hat gepasst. Zum einen sind da seine Routine und die Liebe zur Raubvogelpiste zum Tragen gekommen. Und ich glaube, dass ihm die Patzer, die ihm in Kitzbühel und im Abfahrtstraining, also bei jeder seiner letzten vier Fahrten passiert sind, geholfen haben. Er hat daraus gelernt und seine Fahrt mit dem Titel gekrönt.

Die Überraschung, die bei Weltmeisterschaften immer wieder vorkommt, hat Dustin Cook geliefert, der ohne Erwartungen, locker zu Silber fuhr. Wozu hingegen Übermotivation führen kann, hat man bei Kjetil Jansrud und bei den Lokalmatadoren Ganong und Weibrecht gesehen. Schade auch um die zwei Rückkehrer, die beide bewundernswerte Vorstellungen ablieferten.

Sowohl Bode Miller als auch Aksel Lund Svindal waren bis zur letzten Zwischenzeit absolut auf Medaillen-, wenn nicht sogar auf Goldkurs. Beiden fehlte letztlich die Kraftausdauer. Miller, mein Geheimfavorit für die Abfahrt, büßt das, aufgrund der Verletzung, womöglich sogar mit dem WM-Aus. Und auch der Top-Favorit Jansrud macht einen eher flügellahmen Eindruck…

Im Gegensatz zur Heim-WM vor zwei Jahren ist Österreich diesmal jedenfalls ein perfekter Start gelungen. Auch Anna Fenningers Fahrt zu Gold hat mir schon sehr gut gefallen, vor allem im oberen Abschnitt. Natürlich hatte sie auch das nötige Quäntchen Glück mit der Sicht. Aber das gehört bei so einem Rennen mit so knappen Abständen einfach dazu. Die drei Besten in dieser Disziplin der vergangenen Jahre haben sich am Ende jedenfalls durchgesetzt. Obwohl die Farbe der Medaille auch nicht ganz unerheblich ist…

Zurück zu den Herren und Marcel Hirscher: Ich finde es gut, dass er vorhat, die Kombination zu bestreiten, und zumindest einmal am Abfahrtstraining teilnimmt. Für ihn ist das eine nette Abwechslung. Die Zeitumstellung, die acht Stunden beträgt, bleibt ihm sowieso nicht erspart. Also ist es sicherlich gescheiter, den Bewerb gleich mitzunehmen. Das Riesenslalom- und Slalom-Training kommt dadurch nicht zu kurz.

Und wer weiß: Gelingt es ihm, bei der Kombi-Abfahrt am Sonntag den Rückstand in Grenzen zu halten, ist er dank seiner Slalomstärke natürlich für eine Medaille gut, davon bin ich überzeugt!

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Warum ich schon 1999 beinah aufgehört hätte

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Grüß euch!

Ich wär also wieder bereit, fürs nächste WM-Tagebuch, und freu mich, Euch das Skifest von Vail während der nächsten Tage mit dem einen oder anderen Kommentar garnieren zu dürfen.

Vail und Beaver Creek – die Skistationen in den Rocky Mountains haben für mich natürlich einen speziellen Klang. Die Raubvogelpiste und ich – das war Liebe auf den ersten Blick. Ich kann mich noch gut ans erste Mal, die erste Besichtigung erinnern. Oben geht’s ganz flach weg. Und du denkst: Wos is’n des? Irgendwann der erste Übergang. Die ersten kommen grad wieder über die Kante rauf und ich hör nur: Ein Wahnsinn! Ein Waaahnsinn! Also fahr ich noch ein Stück weiter, schau in den Abgrund und denk mir: Ui! Auf einmal hat man nichts mehr gesehen. Einfach nichts mehr, so steil geht’s da runter.

Ich hab dann 1997 im Weltcup gleich mein drittes Rennen dort gewonnen. Und 1999 mein erstes WM-Rennen. Um ehrlich zu sein, hab ich mir damals kurz gedacht: Jetzt kannst es eigentlich gleich wieder lassen, nach den Olympiasiegen in Nagano und dem Sieg im Gesamtweltcup in meiner ersten vollen Weltcupsaison. Allerdings hatte es diese WM dann doch noch ganz schön in sich.

Es war meine zweite Großveranstaltung nach Olympia. Alles wurde noch bewusster wahrgenommen. Und die nervliche Anspannung war wesentlich höher, schließlich erwartete jeder den Sieg im Super G von mir. Inklusive ich selbst. Ich hab mich dann mit einer perfekten Punktlandung zu Gold gezittert. Und das war befreiend. Die Abfahrt, in der ich mir die schnellste Linie im Steilen fürs Rennen aufgehoben hatte, war dann die absolute Krönung. Und für mich leider Gottes auch das Ende. Ich habe danach gebührend gefeiert, sodass ich vor dem Riesenslalom ziemlich mitgenommen war. Im Riesenslalom war Bronze drin, aber ich bin leider drei Tore vor dem Ziel wegen Schwäche am Skischuh ausgerutscht. Die Goldene hab ich mir in dieser Disziplin für 2005 aufgehoben.

Morgen also der Super G ­2015 – aus meiner Sicht für einen der Favoriten schwieriger zu gewinnen als die Abfahrt. Der Start erfolgt im steilsten Stück. Da kann auch einer mit einer niedrigen Nummer zuschlagen. Österreich ist jedenfalls mit einer schlagkräftigen Truppe vertreten. Matthias Mayer und Hannes Reichelt haben auf jeden Fall das Zeug für den großen Wurf, davon bin ich überzeugt. Aber lassen wir uns überraschen, zur besten Sendezeit, gemütlich auf der sicheren Couch.

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